Musikverein Allendorf 1920 e.V.

Die Geschichte des Musikvereins aus Allendorf

Die Zeit vor der Gründung des Musikvereins im Jahre 1920


Die ersten Aufzeichnungen über musikalische Tätigkeiten in Allendorf stammen aus den Jahren 1619, 1665, 1700 und 1734. Es wird in kirchlichen Visitationsprotokollen den jeweiligen Lehrern Adolf Gabriel, Andreas Greve und Johannes Henricus Lentze, die gleichzeitig den Dienst des Küsters und Organisten der Pfarrkirche versahen, die guten Kentnisse der kirchlichen Musik und des Gesangs bescheinigt.

Dass es neben der Ausübung der kirchlichen Musik in Allendorf auch so etwas wie "Berufsmusiker" gegeben haben muss, beweisen eine Reihe von Bemerkungen in alten Schriftstücken. So ist beispielsweise im Sterberegister der Pfarrei Allendorf zu lesen, dass am 27.April 1773 Christian Egels genannt Pahse starb, dessen Beruf mit "Musicus" angegeben wurde. Weiterhin wird in einer Chronik berichtet, dass die in Allendorf amtierenden Lehrer Wilhelm Kleuer und Johan Franz Canisius "...sehr oft mit der Geige in Wirtshäusern spielten, um sich so etwas zusätzlich zu verdienen".

Bisher wurde nur von Einzelpersonen berichtet, die sich musikalisch betätigten. Etwa im Jahre 1840 schlossen sich junge Männer zu einer Art Musikverein zusammen eine Gemeinschaft, die unter der Bezeichnung "Spechtsche Kapelle" in der Chronik bekannt wurde. Der Kapellmeister war Christopher Specht genannt "Stöffler" dem laut Eintragungen im Taufbuch außer Bäcker und Schenkwirt auch die Berufsbezeichnung "Musicant" beigegeben ist.

Ausser Christopher Specht musizierten noch seine Brüder Peter und Joseph in der Kapelle, die nach Ausweis der Kirchenbücher und nach Angabe der verschiedenen "Urlisten der sämtlichen Civil-Einwohner der Bürgermeisterei Allendorf" beide in der Spalte der Berufsangabe als "Musicus" bezeichnet werden. Die Kapelle hatte eine Stärke von acht Mann. Sie stellte u.a. die Musik für das erste Schützenfest nach der "Wiederbelebung des Schützenvereins in der Stadt Allendorf" im Jahre 1842. Im Bericht über dieses Schützenfest heißt es: "... Auch war mit dem Anführer der Musikanten hierselbst dahin Vereinbarung getroffen, das diese Bande zur Stärke von 8 Mann beim Feste die Musik anführen, auch außerdem die große Trommel und einen Schellenbaum stellen sollten, wofür im Ganzen eine Vergütung von 32 ½ Thalern zu gewähren...". In der Abrechnung des Festes findet sich dann auch diese Summe an "Christopher Specht und consorten für die Musik".

In den folgenden Jahren hat diese Kapelle noch häufig zum Schützenfest aufgespielt, wurde auch schon mal durch eine Kapelle aus Meschede abgelöst. Auch in den 1850er Jahren begegnen wir auf dem Allendorfer Schützenfest immer wieder Allendorfer Musikanten, aber dann geht die Spur der Kapelle verloren.

Die nächsten bekannten Aufzeichnungen über eine Allendorfer Kapelle stammen aus den Jahren 1886 zum silbernen Priesterjubiläum und 1897 zum silbernen Ortsjubiläum des Pfarrers Wilhelm Vollmar. Jedenfalls wird erwähnt, dass die Kapelle eigens aus diesen Anlässen aufgestellt wurden und zwar einmal vom Schützenverein und einmal vom Kriegerverein, ob es sich hier um Allendorfer Musiker oder um Musiker von außerhalb handelte ist leider nicht bekannt.

Die Gründung des Musikvereins Allendorf im Jahre 1920


Im Jahre 1920 tritt mit der Gründung des Musikvereins Allendorf das Musizieren wieder ins Licht der öffentlichkeit.

Wie kam es zur Gründung ?

Da spielte die Amecker Musikkapelle zur Prozession in Hagen. "Musik aus der Nachbarschaft? Wir müssen auch was tun!", also gründeten die Hagener im Jahre 1919 ihren Musikverein, der schon im nächsten Jahr zu Ostern und zu den Prozessionen spielte.

Jetzt packte man auch in Allendorf die Sache an und gründete 1920 den Musikverein.

Gründer des Musikvereins

Die erste Aufgabe der Gründer Fritz Ackerschott, Josef Cramer, Franz Erner, Johannes Erner, Johannes Girhards, Fritz Hellweg, Josef Klute, Fritz Müer, Kaspar Müer, Theodor Potthoff, Anton Specht, Franz Weber und Johannes Weber, war es Instrumente zu beschaffen.

Die Instrumente wurden aus der eigenen Tasche finanziert. Johannes Weber wurde erster Kapellmeister. Es wurden Noten gelernt und geschrieben. Die Proben fanden bei "Brüskes" und auf Axers Saal statt. Im Winter musste man die Kohlen mitbringen, weil der Saal so kalt war. Später verlegte man die Proben nach Spechts.

Interessanterweise waren viele der Gründer Bergleute sei es aus Meggen oder von der Hermannszeche im Hüttebrüchen. Das erste öffentliche Auftreten der jungen Kapelle galt dem zurückkehrenden Kriegsgefangenen Johannes Mertens, den man mit Musik abholte.

Und dann spielte man in Ostentrop. Auf dem Leiterwagen von Gerken Anton ging es dorthin. Man marschierte im Zug hinter Sundern. Und als dann die Allendorfer ihren Marsch bliesen, da drehten sich einige Sunderaner ganz verdutzt um.

"Es war aber auch eine etwas freche Musik, die wir damals bliesen", gab später einer der "Alten" zu Protokoll. Auftritte in Sundern und Langenholthausen folgten. Zum Stadtfest 1924 bekam man die ersten maßgeschneiderten Uniformen, gefertigt von den Allendorfer Schneidern Hansknecht und Walter. Dies Uniformen wurden später im Krieg eingezogen.

Nach den ersten Aufbaujahren wurde es ruhiger im Verein. Für die Jahre 1930-1932 fehlen alle schriftlichen Aufzeichnungen und aus Erzählungen ist bekannt, dass man noch gelegentlich probte und auch noch manchmal öffentlich auftrat, aber im großen und ganzen kein Vereinsleben stattfand.

Am 1. April 1933 wird dann vom Vorsteher Schmidt eine Versammlung einberufen, die folgende Beschlüsse fasst:

  1. Die Musikproben sollen wieder aufgenommen werden.
  2. Die Instrumente sollen alle durch repariert werden.
  3. Der Monatsbeitrag wurde auf 30 Pf. festgesetzt
  4. Vorstandswahlen:

Vorsitzender: Anton Klute, Samenhandlung
Schriftführer und Kassierer: Theodor Potthoff
Instrumentenwart: Franz Erner
Notenwart: Anton Freiburg-Senses

Soweit das Protokoll dieser Versammlung.

Von ihr ging neues Leben im Musikverein aus. Ab Juli wurden im Jahre 1933 unter dem Dirigenten Theodor Neuhaus aus Affeln 22 Proben abgehalten. Neues Notenmaterial wurde angeschafft und auch Ersatz für schadhafte Instrumente. Zur Förderung der Geselligkeit wurde ein "Gänseköppen" veranstaltet, bei dem auch der Gesangverein mitwirkte und man spielte Theater. Für das Jahr 1934 sind 38 Proben und ein Waldfest festgehalten worden. So ging es weiter bis zum Kriegsbeginn 1939. Die Kassenberichte ähneln sich und die Protokolle der Versammlung sind äußerst knapp gehalten, so dass eigentlich nur der Wechsel im Vorsitz von Anton Klute auf Anton Stute zu verzeichnen ist.

Bis zum Krieg bestand der Verein aus folgenden Musikern: Franz Walter, August Lübke, Johannes Girhards, Heinrich Girhards, Anton Stute, Wilhelm Freiburg, Heinrich Tiemann, Lorenz Klute, Johannes Klute, Johannes Erner, Hubert Hellhake, Alfons Freiburg und Franz Weber. Der Dirigent war Theodor Neuhaus.

Für die Zeit des 2. Weltkriegs liegen keine Aufzeichnungen vor. Es ist daher anzunehmen, dass der Vereinsbetrieb in dieser Zeit ruhte.

Von der Neubelebung des Vereins nach dem Kriege bis 1985.

Durch den Krieg bedingt, durch Gefallene und Abgewanderte war die Zahl der Aktiven des Vereins sehr klein geworden. Man schloss sich daher zunächst mit dem Musikverein Amecke zusammen.

Im Frühjahr 1951 meldeten sich genügend junge Leute und der Musikverein wurde wieder selbstständig. Vorsitzender wurde Franz Walter, stellvertretender Vorsetzende wurde der damalige Bürgermeister Fritz Droste. Der Musikverein spielte im Jahre 1951 sogleich mehrere Ständchen, führte das Erntedankfest durch und stellte die Musik zu den drei Prozessionen.

In den folgenden Jahren spielte der Verein auf vielen Festlichkeiten im Ort aber auch auswärts. Der Kapellmeister war in dieser Zeit der Vorsitzende Franz Walter. Am 7. und 8. Mai 1960 konnte der Musikverein sein 40-jähriges Bestehen feiern. Bei dieser Feier wirkten zahlreiche auswärtige Vereine mit.

Am 1. Dezember übernahm Fritz Raue aus Arnsberg die Leitung der Kapelle. Unter Fritz Raue wurde die Jugendarbeit intensiviert und der Klangkörper der Kapelle entwickelte sich sehr positiv. Im Jahr 1960 wechselte auch der Vorsitzende: Franz Walter wurde von Eberhard Freiburg abgelöst. Im Jahr 1963 wurde er von Willi Freiburg abgelöst. Im Jahre 1967 begann für den Verein eine neue ära: Anton Specht übernahm den Vorsitz des Vereines, der dieses Amt für 18 Jahre ausübte. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Verein kontinuierlich weiter. In dieser Zeit wechselte das Dirigat des Vereins von Fritz Raue auf Karl Heinz Schickhoff der aus gesundheitlichen Gründen nach kurzer Zeit sein Amt an Werner Dannhäuser weitergab.

Die vergangenen 30 Jahre im Musikverein Allendorf

Nachdem Jürgen Richter im Jahre 1985 den Vorsitz des Musikvereins übernommen hatte, wurde Anton Specht von der Versammlung zum Ehrenvorsitzenden des Musikvereins ernannt.

1990 übernahm der Berufsmusiker des Luftwaffenmusikkorps 3 aus Münster, Hans-Jürgen Wirth, die musikalische Leitung des Vereins und behielt diese bis 2003 inne.

In dieser Zeit hat sich der Musikverein stetig weiterentwickelt. Als Höhepunkt dieser Zeit wurde die Teilnahme beim Wertungsspiel eines Landesmusikfestes "mit hervorragendem Erfolg" bewertet.

Die Jugendausbildung wurde immer weiter verfolgt, sodass die Kinder und Jugendlichen ihre ersten Erfahrungen im Jugendorchester sammeln konnten.

Gerd Vollmer aus Endorf übernahm nach wenigen Jahren die Leitung des Jugendorchesters, welches sich mit dem Jugendorchester aus Sundern zusammenschloss und sich über viele Jahre zu einem tollen Orchester entwickelte.

Nach der Verabschiedung von Hans-Jürgen Wirth übernahm Jürgen Richter "aushilfsweise" den Dirigentenposten. Bis zum Jahr 2007 wurde der Musikverein unter der Leitung des Vorsitzenden geführt.

Nachdem Jürgen Richter den Dirigentenstab im Jahre 2007 niederlegte, konnte der Musikverein auf einen guten alten Bekannten zurückgreifen: Hans-Jürgen Wirth kam als Dirigent zurück nach Allendorf und dirigierte bis 2011.

Während dieser Zeit wurde die Veranstaltung "Musik & Mehr" in Kooperation mit dem Kulturtrichter ins Leben gerufen, welche Musik aus den verschiedensten Richtungen, von volkstümlich bis anspruchsvoll mit szenischem Spiel des Kulturtrichters humoristisch bis poetisch vereint. Leider musste Hans-Jürgen Wirth die musikalische Leitung 2011 gesundheitsbedingt aufgeben.

Nach insgesamt 23 Jahren als Vorsitzender und über 30 Jahren im Vorstand ist Jürgen Richter 2008 vom Posten des ersten Vorsitzenden zurückgetreten. Klaus Schulte-Kramer wurde von der Versammlung zum neuen Vorsitzenden gewählt und Jürgen Richter zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Ein neuer Dirigent wurde gesucht und wieder übernahm "aushilfsweise" ein aktiver Musiker aus dem Verein die Aufgabe des Dirigenten. Diesmal war es Sebastian Gerke, der bereits einige Jahre zuvor das Gemeinschafts-Jugendorchester Allendorf-Sundern leitete.

Schnell bemerkten die Musiker, dass Sebastian Gerke auch auf lange Sicht ein guter Dirigent für den Musikverein ist, sodass die ersten Konzerte unter seiner Leitung bereits erfolgreich absolviert wurden.